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mJA: Der Plan mit den Freunden - WK 06.07.2017

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Der Plan mit den Freunden


Bremer Talente: Wie der Handballer Miro Schluroff sich nach einer Enttäuschung für ein neues Ziel motiviert

 

 

 

NACH DER ERSTEN ENTTÄUSCHUNG ÜBER DEN ABSTIEG AUS DER HANDBALL-BUNDESLIGA DER A-JUGEND HAT SICH MIRO SCHLUROFF WIEDER NEUE ZIELE GESETZT – MIT SEINER ALTEN MANNSCHAFT. "WIR HABEN DAS ALS TEAM VERBOCKT – UND WIR WOLLEN ALS TEAM ZUSAMMENBLEIBEN", SAGT DER RÜCKRAUMSPIELER DES HC BREMEN. AUCH IN DER OBERLIGA WILL DER KLUB, DER ERSTMALS SEIT GRÜNDUNG DER BUNDESLIGA NICHT DABEI IST, UNTER ERSTLIGA-BEDINGUNGEN TRAINIEREN.


Bremen. An die Momente in der Kabine erinnert Miro Schluroff sich noch ziemlich gut. Seine Mannschaft habe dort ein deprimierendes Bild abgegeben, erzählt er: „Wir haben alle geweint und waren alle ziemlich zerstört.“ Später, im Bus, auf dem Rückweg von Ahlen nach Bremen, habe keiner geredet. In den Tagen danach ging Miro Schluroff zur Schule, klar, aber nachmittags blieb er zu Hause. „Ich hatte keine Motivation, irgendwas zu machen“, sagt er. „Das war schon hart.“


Der Handballer Schluroff hat mit seinen Kollegen vom HC Bremen in Ahlen den Aufstieg in die A-Jugend-Bundesliga verpasst, und er hat das als „eine Riesenenttäuschung“ empfunden. Seine Kollegen und er hatten doch als Favorit gegolten, aber dann spürten sie die Angst zu versagen. Speziell er hatte für die Teilnahme an der Aufstiegsrunde auf vieles verzichtet. Er hatte für die Lehrgänge mit der Beachhandball-Nationalmannschaft abgesagt, für die er nominiert war – und war dadurch bei der anschließenden Europameisterschaft nicht dabei. Auch bei der Mannschaftsfahrt der 1. Herren vom ATSV Habenhausen, die wieder in die 3. Liga aufgestiegen ist, fehlte er. Alles für nichts?
Irgendwann hat Miro Schluroff seine Enttäuschung überwunden, irgendwann wandelte sie sich in Trotz, in Ehrgeiz, in die Lust auf ein neues Ziel. Schluroff berichtet, er habe sich in den Wochen nach der verpassten Chance immer wieder mit seinen Mitspielern getroffen und darüber geredet, wie es nun weitergehen kann. Viele von ihnen hatten Angebote von anderen Vereinen. Sie hätten wechseln können.
Der Teamgeist steht obenan
Schluroff hatte Offerten von der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg und von der TSV Hannover-Burgdorf. In den ersten Tagen, sagt er, habe er schon ein bisschen darüber nachgedacht, ob er sie annehmen soll. Aber dann setzte er sich mit seinen Kollegen an einen Tisch, und sie alle fassten einen Entschluss. „Wir haben gesagt: Wir haben das als Team verbockt – und wir wollen als Team zusammenbleiben“, berichtet Schluroff. „Weil wir auch alles beste Freunde sind.“
Seine Mutter Corina Schluroff sagt: „Das finde ich total toll: dass er zu dem Team hält und dass ihm dieses Umfeld und die Freundschaften dann doch wichtiger sind, als in der Bundesliga zu spielen.“ Tim Schulenberg, der Trainer des HC Bremen, sagt: „Miro ist ein absoluter Teamplayer, der sich immer in den Dienst der Mannschaft stellt.“ Er versuche auch in schwierigen Situationen, Verantwortung zu übernehmen: „Selbst wenn es dann mal nicht so funktioniert, steckt er nicht auf, sondern geht diesen Weg einfach weiter.“


Den Traum von der Bundesliga will Miro Schluroff sich nun halt im nächsten Jahr erfüllen. Er sagt, die Spieler dort seien erheblich robuster, schneller und technisch besser ausgebildet als in der Oberliga – und die gegnerischen Teams deutlich prominenter. Der THW Kiel spielt dort, die Füchse Berlin und die SG Flensburg-Handewitt. Diese Gegner trifft Schluroff nun vorerst nicht. Aber er will sich trotzdem weiterentwickeln. Schulenberg sagt: „Wir werden genauso trainieren, als wenn wir in der Bundesliga spielen würden.“


Schulenberg weiß, dass Schluroff mit seinen 17 Jahren schon vieles kann – aber längst noch nicht alles. Die Torgefahr, die sein Spieler mit seinen 1,97 Metern Körpergröße im linken Rückraum ausstrahlt, die überzeugt den Trainer. „Aber er muss weiter an seinem Wurfrepertoire arbeiten.“ Schluroff müsse lernen, auch in kritischen Momenten auf dem Feld immer die richtige Lösung zu finden, sagt Schulenberg: „Miro braucht noch eine gewisse mentale Stärke in Drucksituationen, um als Leader konsequent Entscheidungen treffen zu können, ohne zu wanken.“ Auch müsse er noch kräftiger werden.


Miro Schluroff ist immer schon eher schlaksig als muskulös gewesen. Früher hat er Handball und Fußball gespielt, und als beides zusammen zu viel wurde und er sich für Handball entschied, da zweifelten seine Eltern daran, ob das richtig ist. „Weil er einfach nicht sehr kräftig gebaut ist“, wie Corina Schluroff sagt. „Aber er sollte selbst entscheiden.“
Miro Schluroff hat seine Entscheidung nie bereut. Er hat sich als Handballer entwickelt, und er weiß, dass er es in seinem Sport noch weit bringen kann. „Traumhaft wäre, wenn ich irgendwann mal zweite Liga spielen könnte“, sagt er. „Das ist mein Ziel, auf das ich hinarbeite.“ Die erste Liga erscheint ihm unrealistisch; er glaubt, um dort anzukommen, hätte er sich früher spezialisieren müssen. Sein Trainer Schulenberg sagt, es sei schwer einzuschätzen, ob Schluroff mal in der Bundesliga landet. Er sagt nur: „Was ich glaube, ist, dass er diesen absoluten Willen hat, so weit wie möglich nach oben zu kommen.“


Miro Schluroff hat von Schulenberg einen Ernährungsplan bekommen. Er versucht, ihn einzuhalten, er isst oft Eier, Nudeln, Reis. Und er trainiert viel, an einigen Tagen zweimal, er macht Handball- und Kraft-Einheiten. Er sagt, manchmal sei er schon ganz schön kaputt – vor allem, wenn er erst Frühtraining hat und dann Schule. Aber er stellt sich darauf ein und macht manchmal Mittagsschlaf. Das tut ihm gut. Am Wochenende hat er während der Saison oft zwei Spiele, weil er mit seinem Doppelspielrecht für die A-Jugend des HC Bremen und die 1. Herren von Habenhausen antritt.
Der Handball dominiert das Leben von Miro Schluroff; im vergangenen Jahr hat er es so sehr dominiert, dass die Zeit für die Schule und fürs Lernen knapp wurde. Miro Schluroff sagt, sein Notenschnitt sei zwischenzeitlich etwas schwächer geworden. Aber mittlerweile komme er wieder besser zurecht. Seine Mutter sagt: „Ich finde es schon bemerkenswert, was er da so geleistet hat im letzten Jahr.“ Im nächsten Jahr macht Miro Schluroff Abitur. Und dann? Er sagt, er wolle Polizist werden – aber vorher am liebsten noch ein paar Jahre Handballprofi. Er wird sich schon durchkämpfen auf seinem Weg, er übt das ja ständig in seinem Sport. „Manchmal tut es weh, wenn man einen auf die Mütze bekommt“, sagt Miro Schluroff. „Aber das macht auch Spaß.“

 

Quelle: WESER-KURIER

Zuletzt geändert am: 06.07.2017 um 08:15


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